Was ist Karate?

Die meisten Außenstehenden fühlen sich bei dem Begriff Karate zunächst an hohe Sprünge und Tritte oder an spektakuläre Bruchtests erinnert. Umso überraschter wäre dann die Mehrzahl, könnte sie die disziplinierte und konzentrierte Atmosphäre einer normalen Trainingseinheit miterleben. Unzählige Male werden Techniken wiederholt, die auf den ersten Blick ebenso einfach wie unspektakulär aussehen. Doch irgendetwas muss ja “dran sein”, wie sonst erklärt es sich, dass Millionen Menschen weltweit begeistert diesen Kampfkunstübungen nachgehen.

Ein erster Nutzen wird dem Anfänger schon nach wenigen Wochen begegnen: Er fühlt sich gesund und wohl. Schon die einfachsten Techniken bewirken durch den schnellen Wechsel von Entspannung und Anspannung, gepaart mit der richtigen Atmung, eine Kräftigung und Vitalisierung des ganzen Körpers. Auch eine geringere Anfälligkeit gegenüber Krankheiten folgt daraus. Mit fortschreitendem Training tritt dann mehr und mehr ein Prozess der Selbstbeobachtung in den Vordergrund. Wer beispielsweise eine Kata erlernt, kommt nicht umhin, jede noch so kleine Bewegung seines Körpers aufmerksam zu verfolgen und Fehler immer wieder zu korrigieren. Daraus resultiert ein besseres Gefühl für den eigenen Körper.

Auch außerhalb des Trainings, im Beruf, im Alltag und in den Beziehungen zu anderen Menschen, soll der Karateka sein Tun und Handeln beobachten und bewusster steuern. Der Leitspruch des JKA-Karate besagt, dass das oberste Ziel weder in Sieg noch Niederlage zu finden sei, sondern in der Vervollkommnung des eigenen Charakters liege. Jeder Sportler sollte angehalten sein, sich diese Worte zu Herzen zu nehmen.

Ein ganz wichtiger Effekt der Karateübung tritt erst nach vielen Jahren des Trainings zu Tage. Durch das Beherrschen von wirksamen Selbstverteidigungstechniken entwickelt der Kampfkünstler genug Ruhe und Selbstvertrauen, um in Konfliktsituationen überlegt und angemessen zu handeln. Er wird auch wenn er bedroht ist, gewaltlose Lösungen anstreben. Karate ist, mit der richtigen Einstellung geübt, ein Weg zur Selbsterkenntnis. Die verschiedensten Hürden dieses Weges zu meistern, ist nicht immer einfach. Oftmals gleicht das Training im Dojo einem Kampf gegen sich selbst. Und das ist ja bekanntlich der schwierigste Kampf. Wer jedoch die ersten Hürden meistert, der wird Karate als eine faszinierende Sache zu schätzen lernen. Etwas womit man sich ein Leben lang beschäftigen kann, ohne je an seine Grenzen zu stoßen, denn Karate-Do, der „Weg der leeren Hand“, ist ein Kreis.

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